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Geschrieben von inner_conflict am 05.07.2007 um 18:28:

 

Die Übersetzung hab ich bei Gutenberg "geklaut"...


Gibt sicher eine bessere, mein Französisch ist dermassen mies, für Prosa geht's so mit Ach und Krach, aber für eine intensivere Auseinandersetzung mit Dichtungen reicht's nicht....


Das Original:

Zitat:
L'Ennemi

Ma jeunesse ne fut qu'un ténébreux orage,
Traversé çà et là par de brillants soleils;
Le tonnerre et la pluie ont fait un tel ravage,
Qu'il reste en mon jardin bien peu de fruits vermeils.
.

Voilà que j'ai touché l'automne des idées,
Et qu'il faut employer la pelle et les râteaux
Pour rassembler à neuf les terres inondées,
Où l'eau creuse des trous grands comme des tombeaux.

Et qui sait si les fleurs nouvelles que je rêve
Trouveront dans ce sol lavé comme une grève
Le mystique aliment qui ferait leur vigueur?

- O douleur! ô douleur! Le Temps mange la vie,
Et l'obscur Ennemi qui nous ronge le cœur
Du sang que nous perdons croît et se fortifie!



Geschrieben von MissPsychoLogic am 23.09.2007 um 14:37:

 

Puuh.. ich bin ein großer Lyrik/Poesie Fan und könnte hier hunderte Gedichte, die ich liebe, aufzählen grosses Grinsen Aber ich entscheide mich mal für Rilkes Panther. Ich bekomme beim Lesen jedesmal Gänsehaut. Und das soll schon was heißen.

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

(Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris)


...besonders die dritte Strophe finde ich unglaublich ergreifend. Allein von der Formulierung her. Das ist Kunst...



Geschrieben von NeuroGrapher am 23.09.2007 um 15:55:

  Gedicht

The Day begins

Cold hearted orb that rules the night
Removes the colours from our sight
Red is gray and yellow, white
But we decide which is right
And which is an illusion


(Graeme Edge)



Geschrieben von MissPsychoLogic am 23.09.2007 um 16:32:

 

Sollte man nicht immer den Autor dazuschreiben? zwinkert Und das ist ja eher ein Teil von nem Songtext (von Moody Blues, wie ich grade gesehen hab). Aber ist'n schöner Text.



Geschrieben von VigilNoctis am 23.09.2007 um 17:09:

 

Zitat:
Original von MissPsychoLogic
Sollte man nicht immer den Autor dazuschreiben? zwinkert Und das ist ja eher ein Teil von nem Songtext (von Moody Blues, wie ich grade gesehen hab). Aber ist'n schöner Text.


Er hat schon längst ne PN und wird das sicherlich beim nächsten Log-In machen...

Und ja, man sollte immer den Autor dazuschreiben.



Geschrieben von Vinter am 09.03.2008 um 20:16:

 

Voellig unterbewertet - insb. sprachlich toll:

---

Gsella - Revolution (aus Betroffener Sicht)

I
ueber mir nur sterne
so ferne hab ich gerne
neben mir nur frauen
so lieblich anzuschauen
unter mir die angestellten
und dazwischen ganze welten:

II
ich klug und reich
sie arm und dumm
ich liege weich
sie kommen um
mich abzuknallen
- bumm - ...

III
aua...

---

Auch schoen - das Ende macht den Rest unglaublich:

---

Gsella - Der Deutsche

Den Deutschen eint von Nord bis Süd
die Vielzahl der Talente:
der Lagerbau, der Genozid,
das Bier, die Riesterrente.

Die Toten trägt er mit Grandesse,
die Mütze mit ’nem Bommel.
Die Tochter weint um Rudolf Heß,
der Sohn um Erwin Rommel.

Der Vater will als Arier
seit je die Welt erretten.
Heut heißt er Vegetarier
und schmiedet Lichterketten.

---

Die restlichen Gedichte aus "Ins Alphorn gehustet" sind uebrigens aehnlich aufgebaut - *gaehn* + *BAM*
Ich seh den Menschen in 6 Wochen live \o/



Geschrieben von alexiel am 09.03.2008 um 21:25:

 

@MissPsychoLogic: wunderschoenes Gedicht, haettest du es nicht gepostet, ich haette es eingefuegt, aber doppelt muss es ja nicht hier im Thread stehen zwinkert

Eines meiner Lieblingsgedichte heißt "The Ticket" ... Leider liegt es bei meinen Eltern und nachdem mir der Autor entfallen ist find ichs nicht im Internet. Es geht um einen Menschen, der ein Ticket findet , es ohne Grund aufbewahrt, danach stirbt und nach dem Tod nach diesem Ticket gefragt wird ...

Emily Dickinson:

Hope is the thing with feathers
That perches in the soul,
And sings the tune without the words,
And never stops at all,

And sweetest in the gale is heard;
And sore must be the storm
That could abash the little bird
That kept so many warm.

I've heard it in the chillest land,
And on the strangest sea;
Yet, never, in extremity,
It asked a crumb of me.

Rainer Maria Rilke:

Ich ließ meinen Engel lange nicht los

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, -
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt...


Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.


Tod der Geliebten

Er wusste nur vom Tod was alle wissen:
dass er uns nimmt und in das Stumme stößt.
Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,

hinüberglitt zu unbekannten Schatten,
und als er fühlte, dass sie drüben nun
wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten
und ihre Weise wohlzutun:

da wurden ihm die Toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

und glaubte nicht und nannte jenes Land
das gutgelegene, das immersüße -
Und tastete es ab für ihre Füße.



Geschrieben von nessa am 09.03.2008 um 22:15:

 

hm ich finde dieses Gedicht hat was.

Erich Kästner


Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.



Geschrieben von gothykk am 09.03.2008 um 23:29:

 

Mein Favourit - Der Tod der Geliebten - wurde bereits genannt.
Mhm weint - ist doch meins...

Zitat:

Tränen, Tränen, die aus mir brechen
Rainer Maria Rilke
Paris, Spätherbst 1913

Tränen, Tränen, die aus mir brechen,
Mein Tod, Mohr, Träger
meines Herzens, halte mich schräger,
daß sie abfließen. Ich will sprechen


Schwarzer, riesiger Herzhalter.
Wenn ich auch spräche,
glaubst du denn, dass das Schweigen bräche?


Wiege mich, Alter.



Geschrieben von Erlkönigin am 17.03.2009 um 15:51:

 

Ich bin ein großer Heine-Fan (Selbstironie, wie ich dich liebe!), kann mich aber beim nachfolgenden Gedicht nur an Textzeilen, nicht aber an den Titel erinnern. Kennt ihr ihn zufällig?

"Da lob ich mir den Orkus fast
Dort plagt uns nirgends ein schnöder Kontrast
In Proserpinens verdammten Domänen
Ist alles im Einklang mit unseren Tränen"

Das ist soweit ich mich erinnern kann ein eher mittiger Vers auß einem ernst-komischen Gedicht über eine unglückliche Liebeskonstellation. Findet den Titel und ich poste es, ist echt lesenswert!


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